Typo 09 in Berlin
25. Mai 2009 von ronny_sDie Typo ist eine internationale Versammlung namhafter Designer, Schriftentwicklern und sogar Architekten, die sich in diesem Jahr mit der Thematik des Raumes beschäftigen. Ein proppenvolles Programm mit Vorträgen, Shows und vieles mehr wurde in den drei Tagen vom 21. bis zum 23. Mai 2009 durchgezogen.
Auf zur Typo nach Berlin
Der Morgen begann für mich gewöhnlich mit einer Tasse Kaffee, nebenbei lief der Drucker für den Fahrplan nach Berlin und die Programmübersicht der Typo. Schnell kringelte ich für mich die interessantesten Veranstaltungen ein. Darunter „Space=Raum Raum=Zeit”, „Space” und „Screen Fonts, Web Fonts, Jetzt!”. Ohne großen Stress schaute ich vor meiner Abfahrt kurz im INlife-Büro vorbei um meine Mobilität mit Notebook und den Vodafone-Stick für das Internet nicht einschränken zu müssen. Rein ins Auto und ab zur Autobahn bis Berlin.
In Hauptstadt erwartete mich in einer ziemlich rustikalen und altmodischen Aufmachung meine Übernachtungsmöglichkeit. „Fast, wie bei Oma”, dachte ich mir, aber dennoch sehr charmant anzusehen.
Ohne Erwartungen stand ich nun mit meinem, emmhh, Dirks Namensschild um den Hals im Haus der Kulturen der Welt und versuchte mich mit Hilfe des kleinen Heftchens zu orientieren. Im stündlichen Wechsel wurden gleichzeitig vier unterschiedliche Vorstellungen präsentiert und ich schaute erstmal nach dem richtigen Räumen für meine Planung.
Zum Glück habe ich Bernard Stein mit „Space = Raum. Raum = Zeit” nicht verpasst. Der waschechte Berliner sprach recht praxisnah von der visuellen Kommunikation. Dabei zeigte er mit einigen einfachen Beispielen, wie die Platzierung von Schrift im Druckbereich wirkt. Dabei behalft sich der Designer oftmals den Nutzen des Goldenen Schnittes.
Das Highlight des ersten Tages war die coole 1-Man-Show vom amerikanischen Designer Joshua Davis. Seit Jahren experimentiert der 38jährige mit verschiedenen Ansätzen für dynamische Abstraktion. Eindrucksvoll zeigt er seinen experimentellen Weg, welche kreativen Ergebnisse mit Bezierkurven und Kaleidoskopen entstehen können. Seine einzigartigen Illustrationen sind beeindruckend.
Logodesign kann eine langwierige Angelegenheit sein. Darren Bowles und sein Mitredner zeigten ausführlich diesen kreativen Weg am Beispiel der international agierenden Firma Swisscom. Detailliert schilderten die beiden aus der Schweiz kommenden Gäste ihre originelle Herangehensweise von der Skizze über Wirkung von Form und Schrift bis hin zur musikalischen Untermalung. Das fertige Ergebnis drückt mehr aus als eine fixe Idee.
Alejandro Paul ist Schrifterfinder mit Leidenschaft und zeigte dies anschaulich in seinem Vortrag „The Forced Race for Eye Space”. Leidenschaftlich beschäftigt sich der argentinische Künstler mit Buchstaben, deren Form und Wirkung. Dabei schien die wirtschaftliche Krise 2001 in seinem südamerikanischen Heimatland ein explosiver Katalysator für seine Entwicklung und neuartiger Schriften für Verpackung zu sein. Seine mitgebrachten Beispiele sprechen für sich.
Gerade das Internet zwängt die künstlerische Arbeit mit Schrift in einen festen Rahmen. Roger Black will dies ändern und beschäftigt sich seit Jahren mit einem einheitlichen und adäquaten Web-Standard. Weg von einigen Tricksereien und umständlichen Getue zeigte er von der technischen Seite, welche gestalterischen Chancen noch für den Bereich Screendesign in den nächsten Jahren möglich sind. An den beiden Beispielen der Webseite der New York Times und flypmedia bewies er, wie Schriftgröße, -Art und die Laufweite der Wörter die Lesbarkeit am Monitor beeinflussen.
Rückblickend kann ich über die Typo sagen, dass diese drei Tage sehr inspirierend waren. Dennoch rückte die Schrift beziehungsweise die Betrachtung ihrer Verwendung nur bruchteilhaft aus den Schatten des diesjährigen Themas „Space” – also Raum – hervor, auch wenn die oben drüber beschriebenen Absätze ein anderes Bild vermittelten.
Ob ich die Typo jetzt für 2010 empfehlen kann, bin ich an dieser Stelle nicht ganz sicher. Wer einen Inspirationskurzurlaub im Designeralltag einlegen will, für den ist es genau das Richtige. Dennoch uferten die meist 30minütigenden Präsentation einiger geladenen Selbstdarsteller stellenweise in eine Werbeveranstaltung für ihre Person oder Firma aus. Dabei wirkten auch Einige wenige schlecht vorbereitet und verhaspelten sich in ihrem eigenen Konzept.
Für mich kam die Beziehung Schrift und Web eindeutig zu kurz. Kleine Einblicke in OpenType, Randbemerkungen vom goldenen Schnitt und Schrift oder die Darlegung, wie ein Logo entwickelt wird, bilden schillernde Ausnahmen.
Ähnliche Beiträge:














Am 25. Mai 2009 um 11:19 Uhr 1
Sehr interessant Ronny, ich hoffe du bereust nicht freie Tage geopfert zu haben. Konntest Du was konkretes für deine Arbeit mitnehmen?
Am 25. Mai 2009 um 13:07 Uhr 2
Ich bereue es nicht bei der Typo gewesen zu sein! Im Beitrag habe ich nur die interessantesten Sachen beschrieben. Es gab noch viel mehr! Der Beitrag wäre sonst noch viel länger.
Für die Arbeit kann ich schon einiges in abgewandelter Form einbringen. Gerade, was Schrift in Bildern angeht (ich denke gerade an die Box bei Raumduftshop.de).
Leider kann mit nichtwebsicheren Schriftarten zur Zeit nur in Verbindung mit Bilder gearbeitet werden. Das schränkt die gestalterische Freiheit schon ein bisschen ein, aber gerade für Google gibt’s ja den alt- und title-Tag.
Am 27. Mai 2009 um 16:57 Uhr 3
Hallo Ronny
Guter Blog, übrigens, Darren Bowles (Moving brands) war aus London, und Daniel Severin (Swisscom) war aus der Schweiz
Lieber Gruss, Daniel
Am 28. Mai 2009 um 09:01 Uhr 4
Hähä…
Du hast natürlich Recht, Daniel. Ich wollte erst über Darren Bowles schreiben, hatte mich dann aber für swisscom umentschieden und bei der Kontrolle nicht nochmal daran gedacht, den Namen zu ändern. Entschuldige bitte!
Danke, dass du aufmerksam meinen Beitrag gelesen hast. Wie fandest du die Typo?